Erlebtes

VITA OHNE FALSCHE FEDERN

In Berlin-Spandau werde ich 1958 geboren. 1977, nach dem Abitur gehe ich im Krach von zu Hause weg. Drei Semester studiere ich in Göttingen Völkerkunde, Urgeschichte und Psychologie – interessant aber in der staatlich verordneten Lesart irgendwie Mist!
Wegen einer verqueren Liebschaft ziehe ich wieder nach Berlin, zuerst nach Neukölln, dann allein lebend nach Spandau. Das Studium verschleppt sich, bis ich kein Geld mehr habe. – Na, klasse!
Also arbeite ich von 1982 bis 1990 erst als Lagerarbeiterin, dann auch an Wursttheke und Kasse halbtags im Supermarkt – die übrigen halben Tage entwickelt sich im Schlendrian die Kunst …
1983 lese ich die ersten Bücher von Wolfgang Döbereiner – wenn etwas mein Leben und das, was unbeabsichtigt davon bleiben wird, prägt, dann ist es vermutlich die Begegnung mit der Münchner Rhythmenlehre.
1990 heiratete ich – allerlei wilde Zeit – 1994 geschieden – ungebundene, wilde Zeit – Malen, vor allem das Aquarellieren, und Töpfern entwickelt sich so nebenbei.
1998 bekomme ich das überraschende Angebot, eine kleine Keramikwerkstatt zu übernehmen. Ich gebe Töpfer- und Aquarellkurse, die recht spärlich besucht werden – für die Teilnehmer aber eine sehr individuelle Förderung bieten! – Für mich entsteht ein nicht nur angenehmer Erfahrungsfundus, weil eben manche Kursbesucher noch selbst gebauchpinselt werden wollen … (Buch: Gemein gemacht …)
2002 kommt meine Mutter ins Seniorenheim und für mich beginnt der intensive Umgang mit alten Menschen – auch weil meine Mutter sich noch sehr gut erholt … (Buch: Mein Schmerz – aber Du klaust das ‚Aua’!). 2010 bringe ich meinen ersten Roman heraus (Buch: Fehlfüger), gebe wegen mangelnder Nachfrage das Keramikatelier auf und verdinge mich 2012 als Bäckereiverkäuferin (Buch: Als Schriftsteller unter Schrippen kleine Brötchen backen …).
Wieder ist das Schöpferische wie ein springendes Fohlen immer mit dabei, während ich für die Existenz in eine ungeliebte Arbeit muß – die aber auch Erfahrungen im Dienen, im Umgang mit Menschen und im Durchhalten abwirft.
Ab 2013 ergibt es sich, daß ich auf Honorarbasis Besuche bei alten Menschen in Seniorenheimen mache und sie ganz individuell fördere. Künstlerische Arbeiten laufen seit 2014 wieder nebenher. Die Idee zur Literaturzeitung Schwinge & Schnabel entsteht … – 2014 setzt sich nun auch mein von jeher katholisches Gemüt durch, ich konvertiere. Falls sich jemand fragt, was denn da in meinen Arbeiten noch ‚mitschwingt’ …

… so läuft Leben – wer es in Diplomen, Auszeichnungen, Kundenreferenzen bemißt, ist zumindest unwahrhaftig!